Sport ist Politik und Politik ist Sport

 

Die kritischen Stimmen im Falle der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko mehren sich. Nach Deutschland haben auch die Präsidenten von Tschechien, Slowenien und Österreich ihre Teilnahme am EU-Gipfel auf der Krim Mitte Mai abgesagt. Gestern hat sich nun auch noch Altbundesrat Adolf Ogi in die Diskussion eingeschaltet. Dieser würde gar als Sportminister die Fussball EM in der Ukraine boykottieren. 

 

In einem Interview mit Schweizer Radio DRS forderte Ogi den ukrainischen Präsidenten zum sofortigen handeln auf. Die Ukraine könne sich nicht leisten, dass eine Internationale Staatengemeinschaft auf Ministerebene den Anlass  boykottiert und Besucher ausbleiben. Die deutsche Bundeskanzlerin hat sich schon ähnlich geäussert. Ebenso der FC-Bayern Präsident Uli Hoeness, laut dem der UEFA-Boss Michel Platini deutliche Worte an die Ukraine richten soll. Unser Altbundesrat fordert auch die rasche Einweisung Timoschenkos in ein westliches Spital.   


Parteikollegen von Ogi und selbst SP-Politiker plädieren hier aber für eine klare Trennung zwischen Sport und Politik/Justiz. Für Aussenstehende ist es auch schwer einzuschätzen, ob Frau Timoschenko in ihrem Lande strafbar wurde oder nicht. Auf jedenfall werden in der Ukraine bei der Justiz internationale Standards nicht eingehalten und Menschenrechte verletzt.

 

Es geht dann auch nicht primär um eine Trennung zwischen Sport und Politik/Justiz, sondern um ein einheitliches und konsequentes Auftreten der Staaten und Politiker, einschliesslich Ogi. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

1.  Führt  man für die Zukunft gar keine internationalen Sportanlässe mehr durch in solchen Unrechtsstaaten. Das die Ukraine im Jahre 2012 noch so ein Land sein wird war schon lange klar. Vom Nachbarland Polen kann man das nicht mehr sagen.

 

2. Wenn man aber trotzdem in solchen Staaten einen derartigen Event durchführt und kritisiert, dann auch bitte für jeden weiteren Austragungsort der die gleichen Defizite wie die Ukraine hat.

 

3. Man sagt einfach gar nichts, wenn man wider besseren Wissens in solchen Ländern derartige Sportwettkämpfe durchführt.

 

Derzeit wird keine dieser 3 Varianten befolgt, es ist ein reines wischi-waschi, womit Schweizer Politiker und Moralisten, namentlich Altbundesrat Ogi, sich besser nicht positionieren sollten, so lange sich die Internationale Gemeinschaft nicht zu einem gemeinsame Nenner findet. In Russland ist die Menschenrechtslage nämlich noch viel schlechter als in der Ukraine. Dort finden dann aber 2014 die Olympischen Winterspiele in Sotschi statt!! Diesbezüglich müssten die Politiker uns Sportmoralisten diese auch boykottieren, wenn man ehrlich und konsequent sein will!! Am besten schon heute!! Und ob dann das Gastgeberland Südafrika zur Fussball WM 2010 die Menschenrechte anständig einhielt würde ich auch stark bezweifeln!! 

Vor ukrainischen Verhältnissen, Sport contra Menschenrechte, werden wir in Zukunft gewiss noch viel öfters stehen, wenn immer neue Länder dazukommen, als Austragungsorte von Sportevents, die von einem Rechtsstaat weit entfernt sind. Die Ukraine machte ausserdem schon in der Vorbereitungszeit zur EM von Korruption und Vetternwirtschaft von sich reden.

 

Wenn man aber meint, man müsse solche Länder boykottieren, bzw. solche nicht mehr als Austragungsorte berücksichtigen, dann müsste man auch als Minister sämtliche Sportteams aus solchen Ländern  boykottieren, oder diese Teams nach der Login von Ogi und Hoeness ausschliessen. Teams aus Weissrussland, Nordkorea und China müsste man auch verbannen,wenn man laut Hildegard Fässler/SP Unrechtsstaaten nicht mehr für Sportanlässen in Betracht zieht, bzw. dessen Regierungen ermahnt!!

 

Aber mit dem Status Quo sind wir einfach nie glaubwürdig, wenn man nie zu einem einheitlichen und konsequtene Auftretten findet, was derartige Austragungsorte betrifft, die massiv die Menschenrechte verletzten. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rolli Anderegg (Donnerstag, 03 Mai 2012 23:07)

    Für einmal ein sehr hörenswerter Beitrag von Radio DRS zum Thema, so wie ich es schon andeutete im Blog.

    http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/tagesgespraech/2782.sh10223069.html

    «Politik, Wirtschaft und Sport sind engstens verflochten - und waren das schon immer»... hätte auch der Untertitel meines Blogs sein können...


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