Als es noch soziale, ehrliche und anständige Exponenten der SP gab...

Die Gründung sozialdemokratischer Parteien und Bewegungen war ein strategischer Fehler und einer der grösste Irrtümer des 20.Jahrhunderts. Zwischen Sozialdemokratie und Sozialismus waren die Grenzen schon immer sehr fliessend. Bis heute ist diese Bewegung gespickt mit extremen Positionen und Polarisierung. Das war auch immer bei den Schweizer Sozialdemokraten der Fall. Aber immerhin gab es noch eine Minderheit von SP-lern die etwas anders tickten: Sozialer, ehrlicher und anständiger. Der letzte Woche verstorbene Alt-Bundesrat Otto Stich war einer von denen.

 

Gewiss war auch Otto Stich auf der Einnahmenseite als Finanzminister ein waschechter Sozialdemokrat. So bei der MhSt. Er war auch für den IWF. Das einmal als negative Kritikpunkte. Bei der Ausgabenseite aber war der Dornacher sehr überlegt und weitsichtig: Man gibt nicht mehr aus als man hat, oder als man gleichzeitig einnimmt!! Francois Hollande könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Geradezu bizarr, da dieser trotz horrender Staatsverschuldung und Millionen von Arbeitslosen, 150.000 neue Jobs beim Staat schaffen will. So als ob die Franzosen im Geld schwimmen würden und zu wenig Staatsangestellte hätten!!

Otto Stich wird in Nachrufen vielfach als markige oder knorrige Persönlichkeit beschrieben, die aber sehr herzlich war. Aber vor allem war dieser Bundesrat des Standes Solothurn sehr ehrlich und seriös. Solche Eigenschaften kann man nur von ganz wenigen Mitgliedern der Sozialdemokraten sagen. Erst recht nicht nach seinem Rücktritt im Jahre 1995 und was die derzeitige Sozialdemokratie bietet. Lug und Trug gehören da verbreitet zum Geschäftsmodell. Bei Otto Stich aber war ein Wort noch ein Wort, auch wenn man nicht seiner Meinung war, wusste man doch immer, woran man war, oder eben nicht. Das bestätigen auch seine grössten politischen Gegner. Seine schwache Stimme und sich keiner Tränen zu schämen, gehörten zu seinem Markenzeichen. 

SP-Politiker loben nun heute seine Verdienste, seine Ehrlichkeit und seine Bescheidenheit als Vorbild. Wie zynisch von diesen trauernden SP-lern, da diese und ihre Partei aktuell so ziemlich genau das Gegenteil von dessen vertreten!! Ich Sachen Anstand, Ehrlichkeit  und Sparsamkeit das pure Gegenteil!!

1992 gegen den EU-Beitritt der Schweiz, NEAT-Skeptiker und Armeefreund

Obwohl Stich mit seiner SP in einer linkeren Partei war als Adolf Ogi in der SVP, war Stich 1992 gegen einen EU-Beitritt der Schweiz, während Ogi groteskerweise dafür war. Diesen Umstand gilt es Herrn Stich hoch anzurechnen. Stich lag dann auch mit seiner Kostenwahrheit zur NEAT genau richtig, während der Schönredner Ogi genau daneben lag. Und zwar bis heute. Auch was die Geschichte mit dem Lötschbergzubringer anbelangt. 

 

Oft hatte Stich in der Arena vermieden zu sagen, dass diese oder jene Position, die noch nicht durch den Bundesrat durchging, in Tat und Wahrheit seine sei, aber zum Schutz der SP eine andere Meinung nach aussen vertrat. So war Otto Stich im Gegensatz zu seiner Partei immer für die Schweizer Armee. 

In dieser Umfrage kommt die heutige SP miserabel weg:

http://www.aargauerzeitung.ch/mitmachen/umfragen-aargau/vermissen-sie-in-der-sp-politiker-wie-otto-stich-125180305

 

 

Der Aussenseiter war der SP nicht als Bundesrat genehm

 

Anstatt die offizielle Kandidatin der SP als Nachfolgerin von Willy Ritschard zu wählen, wählte die Vereinige Bundesversammlung 1983 Otto Stich zu dessen Nachfolger. Das passte der SP aber überhaupt nicht. Die Mehrheit der SP-ler die sich um Lillian Uchtenhagen betrogen fühlten, verlangte den sofortigen Austritt der SP aus dem Bundeshaus. Allen voran der Alt-Sozialdemokrat Helmut Hubacher/BS. Schlussendlich musste die SP sich aber mit Otto Stich arrangieren. Dieser war dann für den äusseren Linksflügel der Partei immer zu rechts. Wermuth&Roth würden sich heute daran aufreiben.

 

Dieses Bundesratswahl führt uns deutlich vor Augen, dass die Sozialdemokraten eine Doppelmoral haben. In vielen Dingen gilt die Freiheit und Toleranz nur für die SP, aber nicht für den politischen Gegner. So akzeptiert die SP bis heute nicht, dass die SVP nicht verpflichte ist, einen Bundesrat als SVP-Bundesrat zu goutieren, der weder von der SVP-Fraktion demokratisch als Kandidat nominiert wurde, noch in der SVP-Basis besonders beliebt war. Auf der anderen Seite spielt es dann keine Rolle, dass die SP 1983 bei Otto Stich so ein wüstes Theater gemacht hat, was für Stich sehr belastend war. 

Aber es kam noch schlimmer: Die SP untersagte einige Jahre später Francois 
Matthey die Annahme seiner Wahl als Bundesrat. Die offizielle Kandidatin der SP Christiane Brunner fiel bei der Wahl nämlich durch. Auf Matthey wurde von der SP ungeheurer Druck ausgeübt die Wahl nicht anzunehmen. Auf der anderen Seite ist es dann ganz zynisch, wie 2007 die SP der SVP vorschriebt, dass SVP  EWS als SVP-Bundesrätin zu akzeptieren hätte!! 

Im weiteren ist es so, dass es bisher in der SP mehr Parteiausschlüsse von Exekutivpolitikern gab, als bei der SVP:

http://www.blick.ch/news/schweiz/parteiausschluesse-bisher-vor-allem-bei-der-sp-id158173.html

 

Als Kassenwart der Nation verkörperte Otto Stich Attribute wie Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Bodenständigkeit. Ein Ehrenmann ist nun von uns gegangen. Um überhaupt noch auf einigermassen vernünftige Sozialdemokraten zu verweisen, muss die SP ganze 17 Jahre zurückblättern. Wie peinlich nur für unsere Möchtegern-Volkspartei!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1

      Top Links

Links

Blogparade
Blogverzeichnis
Blogverzeichnis
Blogverzeichnis